8.6.2023
Lesezeit:
6 Minuten

Tränenwegschirurgie

Mit einer minimal-invasiven Tränenwegsendoskopie und Einlage eines Silikonschlauches können häufigsten Tränenwegsverengungen erfolgreich behandelt werden.

Dr. Valéry Vinzent Wittwer

Minimal-invasive Behandlung der Tränenwegsstenosen

Sobald der Hinweise besteht, dass die Tränenwege verengt sind steht die Diagnostik um Lokalisation und Ausmass der Verengungen resp. Stenosen im Vordergrund.

1. Tränendrüse
2. Tränenflüssigkeit verteilt sich über Horn- und Bindehaut
3. Offener oberer Tränengang
4. Stenosierter unterer Trängengang
5. Stenosierter Tränensack
6. Ausgang in die Nase
7. Tränensee und Tränenlaufen

Hierzu führen wir eine Tränenwegsendoskopie durch. Eine Mikro-Kamera von einem Millimeter Durchmesser wird über das Tränenpünktchen in den Tränenkanal eingebracht und danach vorsichtig bis in die Nasenhöhle vorgeschoben. Verengungen im Bereich der Tränenpünktchen oder des Tränenkanals können dabei erkannt und gelöst werden. Damit sich diese nicht wieder zurückbilden wird ein Platzhalter eingeführt (Tränenwegsintubation mit Silikonschlauch) und mindestes zwei Monate belassen. Das Tränenlaufen bleibt so lange bestehen bis die Silikonschläuche entferntwerden, erst danach können die Tränen wieder richtig ablaufen.

Dacryocystorhinostomie

Sitzen die Verengungen tief im Tränensack ist meist einkomplizierterer Eingriff nötig. Dabei wird der Tränensack von Aussen her (Operation nach Toti) oder durch die Nase (endonasale DCR) eröffnet und einneuer Abfluss durch die Knochen kreiert. Diese Art von Eingriff wird Dacryocystorhinostomie genannt, dauert meist über eine Stunde und wird in der Regel in Vollnarkose und stationär durchgeführt.

Anästhesie

Um eine Tränenwegsendoskopie schmerzfrei durchzuführen ist eine örtliche Anästhesie in der Regel ausreichend. Dabei werden die sensiblen Nervenäste rund um die äussere Augenhöhle mit Lidocain betäubt.
Die Dacryocystorhinosthomie (DCR) hingegen erfordert in aller Regel eine Vollnarkose.

Risiken und mögliche Komplikationen

Nach einer Tränenwegsendoskopie ist lediglich mit Schwellungen und kleineren Blutungen rings ums Auge zu rechnen. Verletzungen von Tränenpünktlein und Tränenwegen sind seltener, da die Tränenwege mittels Kamera sichtbar gemacht werden können. 

Nach der Tränenwegsendoskopie mit Einlage von Silikonschläuchen

Direkt nach der Operation

Schneuzen sollte unterlassen werden da dadurch ein Druck im innern der Nasenhöhlen entstehe, der den Silikonschlauch durch die Tränenwege wieder nach aussen stossen könnte.

  • Nasenspray 3x/Tag (Abschwellung der Nasenschleimhäute)
  • Tobradex Augentropfen 4x/Tag (Vorbeugung für Infekte und Entzündung in den Tränenwegen)
  • Nevanac Augentropfen 1x/Tag (Vorbeugung für Irritation der Tränenwege)
  • Irfen 400 mg Tbl. 3x/Tag für eine Woche (systemische Entzündungshemmung)
Nach einem Tag: Kurzkontrolle

Der Sitzt desSilikonschlauches wird überprüft und der Patient wird über das weitereVorgehen informiert. Um dieBildung neuer Stenosen in den Tränenwegen zu verhindern sind dieSilikonschläuche nicht hohl, das bedeutet dass auch nach der Operation dasTränenlaufen weiter bestehen bleibt, bis der Schlauch entfernt wird. 

Nach zwei Monaten: Der Silikonschlauch wird entfernt

Mit einer Pinzette wird der Silikonschlauch vorsichtig an dessen Ende gefasst und herausgezogen. Es kann vorkommen, dass nach der Entfernung des Schlauches die Tränen und das Nasensekret leicht rötlich erscheinen. Dies soll nicht zu Besorgnis führen, der Grund sind Mikroblutungen in den Tränenwegen. Die Tränen können nun wieder frei durch die Tränenwege in die Nasenhöhlen ablaufen.

  • Tobradex® Augentropfen 4x/Tag (Vorbeugung von Infekten und Entzündung)

FAQs – häufig gestellte Fragen

Was muss ich vor der Operaton beachten?

In Rücksprache mit Ihrem Hausarzt sollten Sie falls möglich Medikamente, welche die Blutgerinnung hemmen absetzten.
Schminken im Bereich der Augen, schweres Heben und sportliche Betätigung insbesondere Schwimmen sollten bis zu zwei Wochen nach der Operation vermieden werden.

Wie lange kann ich nicht arbeiten nach der Operation?

In derRegel treten nur leichte Schwellungen und Blutungen im Bereich um die Augen auf und das Sehen ist nicht beeinträchtigt. D.h. Sie könnten schon wenige Tage nachdem Eingriff wieder voll arbeiten. Bei Berufen mit Kundenkontakt können wir sie bis zur vollständigen Rückbildung der Schwellungen und Blutungen krankschreiben.

Werde ich währen des Eingriffs schlafen?

Nein, es kann lediglich eine sogenannte Analgosedation (Dämmerschlaf) eingeleitet werden, d.h. sie werden nicht viel spüren und entspannt sein aber noch wach. Nach der Endoskopie werden die Tränenwege mit einer Wasserlösung gespült wobei die Lösung in die Nase und dann in den Rachen gelangt, sie sollten diese Lösung dann schlucken können, um zu verhindern, dass sie in die Lungen gelangt.

Wieso sind die Silikonschläuche nicht hohl damit die Tränen auch mit Schlauch schon ablaufen können?

Ein hohler Schlauch wäre nicht genügend stabil um die Tränenwege offen zu halten

Was mache ich, wenn ich trotz Niess- und Schneuzverbot niessen muss?

Bei spontanem Niessreiz versuchen Sie bitte die Nase nicht sondern offen zu zuhalten. Dadurch kann die Luft durch die Nasenlöcher entweichen und es entsteht weniger Druck auf die Silikonschläuche.

Was machen wenn die Symptome nach der Operation trotzdem wieder auftreten?

Der Eingriff kann mehrmals wiederholt werden. Bei Stenosen tief im Tränensack ist jedoch häufig eine invasivere Operation nach Toti oder eine DCR angezeigt. Dazu können wir Sie unseren Kollegen, die stationäre Operationen durchführen überweisen.

Das könnte Sie auch noch interessieren

Netzhaut

Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie kann eine Sehverminderung auslösen und bis zur Erblindung führen. Eine frühzeitige Diagnosestellung und Behandlung kann dies verhindern. Folglich sollten Menschen mit Diabetes jährliche augenärztliche Untersuchungen durchführen lassen.